Wenn ich mir meinen Schreibtisch so ansehe, komme ich mir manchmal wie Captain Kirk auf der Enterprise vor. Ich bin umgeben von flimmernden Monitoren, umzingelt von Tastaturen, eingekreist von Mäusen.
Ein Rechner ist der Grafik vorbehalten, ein anderer der Textarbeit. Kaum zu glauben, dass ein kalibrierter Grafikrechner einerseits vollkommen brillant- und gleichzeitig für die Arbeit mit Texten total ungeeignet ist. Es sei denn man legt Wert auf tränende Augen und komatöse Müdigkeitsanfälle, denn so ein Grafikbildschirm ist verdammt hell. Ein weiteres Gerät wird bei Präsentationen eingesetzt, während ein viertes seine Zeit als nutzloses Ersatzteil absitzt.
Technik, so weit das Auge reicht. Was ist nur aus dem guten alten Handwerk geworden?
Ein Rechner ist der Grafik vorbehalten, ein anderer der Textarbeit. Kaum zu glauben, dass ein kalibrierter Grafikrechner einerseits vollkommen brillant- und gleichzeitig für die Arbeit mit Texten total ungeeignet ist. Es sei denn man legt Wert auf tränende Augen und komatöse Müdigkeitsanfälle, denn so ein Grafikbildschirm ist verdammt hell. Ein weiteres Gerät wird bei Präsentationen eingesetzt, während ein viertes seine Zeit als nutzloses Ersatzteil absitzt.
Technik, so weit das Auge reicht. Was ist nur aus dem guten alten Handwerk geworden?
Auch meinem großen Bruder ist das nicht entgangen. Der Technikwahn, meine ich. Bei einem seiner seltenen Besuche hat er nichts als zu meckern: Mein Licht ist zu schlecht, die Monitore zu dunkel, die Drucker zu laut, der Kopierer voller Elektrosmog. Darüber hinaus sitze ich im falschen Winkel zum Fenster, die Glasplatte meines Schreibtischs ist ungeeignet, und überhaupt arbeite ich zu viel.
Und das von einem waschechten Workaholic, ich bin beeindruckt. Einige Minuten lasse ich mir seinen Anschiss gefallen, doch schnell reißt mein nicht vorhandener Geduldsfaden, und ich halte ihm die Fakten seines beschissenen Berufslebens vor Augen: Überstunden bis zum Abwinken, Vorträge vor dem Bundesverband Deutscher Psychologen, regelmäßige Essen mit dem bescheuerten Präsidenten seines Neurotiker-Clubs, dessen Vorstand sich aus überheblichen alten Säcken zusammensetzt, die sich für die Krone der Schöpfung halten.
Und das von einem waschechten Workaholic, ich bin beeindruckt. Einige Minuten lasse ich mir seinen Anschiss gefallen, doch schnell reißt mein nicht vorhandener Geduldsfaden, und ich halte ihm die Fakten seines beschissenen Berufslebens vor Augen: Überstunden bis zum Abwinken, Vorträge vor dem Bundesverband Deutscher Psychologen, regelmäßige Essen mit dem bescheuerten Präsidenten seines Neurotiker-Clubs, dessen Vorstand sich aus überheblichen alten Säcken zusammensetzt, die sich für die Krone der Schöpfung halten.
Das Miststück in mir möchte ihm on top seine Gattin, Frau Oberwichtig, unter die Nase reiben, eine überkandidelte Anwältin einer amerikanischen Law Firm, doch ich kann mich gerade noch beherrschen.
Nachdem wir die üblichen Höflichkeitsfloskeln ausgetauscht haben ("Du hörst nie zu!". "Dann halt doch einfach die Klappe!"), macht er einen auf großer Bruder und setzt eine Miene von der ich-will-dir-doch-nur-helfen-Art auf, die mich beinah dazu provoziert ihn rauszuwerfen. Vor allem, als er wieder einmal davon anfängt, wie hektisch es in meinem Leben zugeht, und dass ich dringend einmal ausspannen sollte.
"Was ist denn mit Sport?", hakt er nach, und wechselt in das verständnisvolle "Hm, ja, sprechen sie sich aus, ich höre ihnen zu"-Gesicht, in das ich meine Faust versenken möchte.
"Was soll damit sein?", frage ich gereizter als mir lieb ist.
"Treibst du welchen?"
Was ich so alles treibe oder nicht geht ihn einen feuchten Kehricht an, und damit Basta. Was soll dieser jährliche Kontrollbesuch? Packt er später an der Tür sein Notizheftchen aus, und macht ein Häkchen hinter dem Punkt >20.30 Uhr: Schwester auf den Sack gehen. Tag beendet, alles Roger<?
Okay, okay, ich bin gemein und mies und fies, alles klar. Er ist mein Bruder, ich sollte nett zu ihm sein. Warum fällt mir das bei ihm so verflucht schwer?
Das Biest in mir zückt eine imaginäre Liste und leiert die Punkte nacheinander runter: Womöglich liegt es daran, dass ich mich eher erschießen würde, als sein langweiliges, militärisch durchstrukturiertes Leben zu führen. Oder an dem berechnenden Drachen, den er sein Eheweib nennt? Oder an seinem Job, in dem Vollidioten ihr kaputtes Leben darüber kompensieren, indem sie andere in den Wahnsinn treiben, oder, oder ...
Und überhaupt: Sein Leben ist ein Haufen reglementierter Mist, und ausgerechnet er will mir weise Ratschläge geben?
Also schön, das reicht jetzt. Im Geiste gebe ich mir eine saftige Ohrfeige, und klinke mich wieder in das Gespräch ein.
"... deine Schwägerin macht nächste Woche einen Kochkurs, möchtest du sie vielleicht begleiten?"
Eher würde ich Rasierklingen schlucken, aber das behalte ich für mich.
"Du solltest wirklich mal etwas anderes tun, als immer nur arbeiten ..."
Bla bla bla. Ich nehme alles zurück. Es ist vollkommen in Ordnung gemein und mies und fies zu sein. Allein die Vorstellung mit seiner Frau etwas zu kochen, lässt mir eiskalte Schauer des Grauens über den Rücken laufen. Alles, was diese Keifzange anfasst, verwandelt sich in Gift.
Woran erinnert mich das bloß? Ach ja, an mich. Wie seltsam.
Woran erinnert mich das bloß? Ach ja, an mich. Wie seltsam.
Dennoch plätschert das Gespräch – sorry, der Monolog – nicht spurlos an mir vorbei. Zwei Tage später begleite ich meine Mom in die City. In einem Hobby-Bastelladen kauft sie eine Rolle Geschenkpapier, und da entdecke ich sie: Perlen.
Grün mattierte Glasschliffperlen, Glas Kristallperlen im Facettenschliff, Blüten Bead Perlen, Murano Glasperlen, Böhmische Perlen, Biocone, Rhombe Perlen, Rocailles, ...
Ich befinde mich in einem Perlenparadies, und mein Herz macht vor Freude einen Salto rückwärts.
Tief in meinem Innern scheint ein Mädchen zu schlummern, das in einem Meer aus rosa Perlen baden will. Ich werfe mich in ihre Mitte, und folge ihrem Ruf:
Nimm mich, kauf mich, hier, hier, hier!
Nimm mich, kauf mich, hier, hier, hier!
Schlagartig fällt mir der Besuch meines Bruders wieder ein. Wie recht er doch hatte! Ich brauche ein Hobby, und zwar sofort. Eine Stunde später wuchte ich Tüten voller Mädchenkram zum Auto, inklusive Silberdraht, Zangen, Verschlüsse, mit einer kopfschüttelnden Mutter an meiner Seite, die die Welt nicht mehr versteht.
"Perlen? In deinem Alter?"
Na toll! Sie musste sich Bruders Vortrag schließlich nicht anhören. Ich brauche ein Hobby, schon vergessen? Wenn also jemand diesen Einkaufswahn zu verantworten hat, dann, öhm, er, oder? ODER?
"Perlen? In deinem Alter?"
Na toll! Sie musste sich Bruders Vortrag schließlich nicht anhören. Ich brauche ein Hobby, schon vergessen? Wenn also jemand diesen Einkaufswahn zu verantworten hat, dann, öhm, er, oder? ODER?
Am Abend sitze ich zusammen mit einer Kanne Tee, einer Decke und einem Hörbuch auf der Couch und fädle raffiniert kleine Rhomben Glasperlen auf einen speziellen Silberdraht, füge Perlenkappen und Spacer Rondelle hinzu, und arrangiere das Ganze zu einem verspielt-eleganten Armband, das sich mit einem Karabinerhaken verschließen lässt.
Wow, das macht Spaß!
Das Telefon klingelt, doch ich bin zu beschäftigt – ich fertig ein Armband an!
Und noch eins. Und noch eins.
Als das Hörbuch zu Ende ist, ist es zwei Uhr Nachts, und ich bin um ein gutes dutzend Perlenbänder reicher. Wahnsinn, wo ist nur die Zeit geblieben?
Auf die Frage, was ich mit dem ganzen Geschmeide anstellen soll, habe ich erstmal keine Antwort. Ein paar Geburtstage stehen an, und so ein Armband kann man schließlich immer gebrauchen, oder? ODER?
Als mein kleiner Bruder einige Tage darauf den Berg an Schmuck bestaunt, den ich in der Zwischenzeit produziert habe, macht er sich vor Lachen beinahe in die Hose. Blödmann!
Na schön, vielleicht habe ich es ein bisschen übertrieben. Aber dieses Perlenzeugs bereitet mir einen Riesenspaß, und Armbänder sind für irgendwen irgendwo bestimmt, ähm, nützlich?
Meine brillante Argumentationskette außer Acht lassend schlägt er vor, dass ich das Zeug bei eBay verscherbeln soll, wo sie zu meiner großen Überraschung ein riesen Erfolg werden. Also produziere ich noch mehr Armbänder, sitze Abend für Abend in meinem Wohnzimmer, trinke Tee, höre Hörbuch, und fädle kleine Blüten Bead Perlen auf einen Silberfaden. Nachdem ich eine Wagenladung Armschmuck angefertigt habe, hängt mir das Ganze ein bisschen zum Hals raus.
Irgendwie hatte mein großer Bruder schon Recht – ich arbeite zu viel ...
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| Modell pink-Pearl |
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| Modell Heardbreaker |
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| Modell FlowePower |
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| Modell Lady Violet |
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| Modell Angel |
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| Modell Cross |
Was soll ich sagen? Ein Hobby ist etwas Tolles. Und wenngleich es mich nicht betrifft, möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass man es nicht übertreiben sollte. Immerhin liegt der Sinn und Zweck einer Freizeitbeschäftigung darin, zu entspannen – nicht dass man mir so etwas sagen müsste, oh nein! Ich meine, ich übertreibe nie etwas, ganz im Gegenteil. Das richtig Maß ist eine meiner Stärken. Sozusagen mein zweiter Vorname.
Wie auch immer. Perlenschmuck macht nicht nur irre gute Laune, sondern bereitet einfach nur Spaß. Wer etwas anders behauptet, hat noch die das kindliche Glücksgefühl empfunden, das jeden Hobby-Kreativen überfällt, wenn er etwas eigenes erschaffen hat, das für irgendwen irgendwo zu irgendwas nützlich ist. Irgendwie.
Viel Spaß beim Selbermachen wünscht kamelin.
Viel Spaß beim Selbermachen wünscht kamelin.
© Text & Bild by kamelin 2011











2 Kommentare:
Perlentauchende Frau Kamelin,
und Sie; gerade Sie; also gerade SIE wagen es nun, über mich und meine Würfelspiele zu spotten?
Sie flippen völlig aus, wenn Sie feststellen müssen, dass die grünen nicht zu den roten Perlen passen, rümpfen jedoch sofort die Nase, wenn ich schreibe, dass sich bei der Miniaturenbemalung das Blau nicht mit dem Rot verträgt.
Wie kann das sein?
Völlig ohne Grüße
Herr Fuchs
Unwerter Banause!
Sie wollen doch wohl nicht diffiziles Schmuckdesign mit dem anpinseln ihrer Gartenzwerge vergleichen, oder? ODER?
Außerdem weiß doch jeder, dass Rot & Blau nicht zusammenpassen. Also wirklich, manchmal ...
Traditionell ohne Gruß usw. usf.
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