05 Januar 2011

Dieses Jahr wird alles besser!







Ich habe mir das Hirn zermartert, worüber ich im Januar schreiben könnte. Weihnachten ist Schnee von gestern, und niemand bei Verstand möchte daran erinnert werden. So würde die Kurzzusammenfassung über meinen unheiligen Abend in etwa so lauten: 

Mein großer Bruder wusste wie immer alles besser, meine Schwägerin wusste es sogar noch besser, mein "kleiner" Bruder hat stundenlang mit unseren Neffen einen Lego-Flughafen inklusive Tankstelle, Terminal sowie zwei Fliegern zusammengefriemelt, meine Mutter stand den ganzen Abend in der Küche, und ich habe nach einer halben Stunde im 10-Minuten-Takt auf die Uhr gelinst und mich gefragt, wann die Regeln der Höflichkeit es zulassen, dass ich mich vom Acker mache, und ob es jemandem auffallen würde, wenn ich meiner Schwägerin die Bratensoße ins Gesicht kippe. 

Entsprechend motiviert habe ich mich Silvester mit Freunden nach Norderney abgesetzt. Vor meiner Flucht muss ich dann allerdings meinen Koffer eine Kleinigkeit zu hastig gepackt haben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich an so ziemlich alles gedacht habe (Wärmeflasche, Schlagbohrer, Sonnenschirm, Globus, Fragezeichen), aber ausgerechnet meine Unterwäsche in Köln gelassen habe. Hatte ich erwähnt, dass auf Norderney im Januar der Hund begraben ist? Die Geschäftsleute erholen sich noch vom letzten Touristeneinmarsch und machen selbst irgendwo Ferien. Möglichst da, wo es nicht so arschkalt ist, wie auf ihrem windigen Eiland. Da in der Weihnachtszeit kaum ein Laden geöffnet hat, war ich zunächst froh, als ich nach langer Suche ein Wäschegeschäft gefunden hatte. Das sah allerdings so aus, als wäre es anno 1920 das letze Mal renoviert worden – genau wie seine Inhaberin. Was ein Pantie ist, musste ich ihr aufmalen, und ihre Interpretation davon sah aus, als käme sie geradewegs aus dem Sanitätshaus. Nachdem ich in die Hosette geschlüpft war (anders kann man das Höschen kaum bezeichnen), hing mir der Bund knapp unter den Achseln. In diesem Zusammenhang drängte sich mir die Frage auf, ob man das Teil imprägnieren, und im Sommer als Zelt benutzen könnte.
Meine Rettung war eine Drogerie, die - man glaubt es kaum - tatsächlich Unterwäsche im Sortiment hatte, die nicht zur Stützstrumpffraktion gehörte. Ein dreifaches Hurra!

So ein Jahreswechsel lädt ein, einmal innezuhalten und einen kritischen Blick auf die vergangenen zwölf Monate zu werfen. Der Optimist in mir meint dazu, dass ich jede Menge Erfahrungen gesammelt, und mich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt habe. Dafür handelt er sich allerdings von meinem Pessimisten einen derben Rippenstoß ein. Die beiden Typen sitzen rechts und links auf meiner Schulter und labern mich gnadenlos voll:
O: "2010 war doch gar nicht so übel – ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass du einen guten Schritt nach vorn gegangen bist!"
P: "Nach vorne, ja? Wenn man auf einen Abgrund zusteuert, wäre es besser zur Seite auszuweichen, statt das Ganze als Safari zu verkaufen!"
O: "Von wegen Abgrund! Nur wer die unbetretenen Pfade beschreitet, wird am Ende weiterkommen!"
P: "Was zum Henker interessiert mich das Ende, ich lebe jetzt!
O: "Gibt es etwas wichtigeres, als gesammelte Erfahrungen?"
P: "Willst du eine alphabetische Auflistung oder eine nach Prioritäten?"
"Schnauze, alle Beide!" 
Das kommt von mir, und einmal mehr verstehe ich, warum mich mein großer Bruder für eine Soziopathin hält. 
Quod erat demonstrandum.

Also schön, dieses Jahr war nicht das, was ich erwartet habe, aber es war beileibe nicht schlecht. Zugegeben, ich hatte enormen beruflichen Stress, und ja, vor zwölf Monaten dachte ich, dass ich zum Jahresende an anderer Stelle stehen würde. Anderseits habe ich einiges dazugelernt und so manches geschafft. Außerdem sagt man doch, der Weg ist das Ziel, und das trifft auf mich in jedem Fall zu. 
Worüber sollte ich mich beklagen? Mein Leben ist schön, so wie es ist. Und ich arbeite jeden Tag daran, dass es noch besser wird. Aus diesem Grund muss ich mehr auf mich achtgeben, und öfter mal 'ne Pause einlegen. Denn eines habe ich im letzten Jahr todsicher gelernt: Du kannst rennen und rennen, so viel du willst. Wenn du im Laufrad sitzt, kommst du nicht weiter. 

In diesem Sinne wünsche ich allen Hamstern dieser Welt einen guten Jahresstart, verbunden mit einer meiner Glückskeksweisheiten:
Nur weil du dich an die Gitter gewöhnt hast, ist es noch lange nicht normal, in einem Käfig zu leben. Und bloß, weil du deine Unterwäsche vergessen hast, bedeutet das nicht, dass du zelten sollst - meint kamelin.



© kamelin 2011

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Frau K.,

um Gottes Willen, was ist eine Hosette?

Sie scheinen schreckliche Dinge zu kennen...

Post Scriptum: Ich beschwöre hier seit Tagen den Teufel im Zwergenforum und nichts passiert! Haben Sie etwa URLAUB?

Ohne Grüße
Herr Fuchs

kamelin hat gesagt…

Herr Fuchs,

sie verfilzter Apostel! Nachdem ich diesen jämmerlichen Abklatsch eines Weihnachtsbaumes gesehen habe, musste ich mich erstmal drei Tage ausheulen.
Also erwarten sie nicht zu viel, zumal sie sich wochenlang über so wichtige Themen wie die Einnahme einer Pommesbude oder sich bescheuerte Ordenssysteme ausgedacht haben. Wen interessiert das?

Ungehalten,

die Meisterin

Anonym hat gesagt…

Böswillige Frau Kamelin,

dieser W-Baum ist bloß schlecht getroffen, in Wirklichkeit handelt es sich um einen 2,50 m hohen Nordmann-Tannen-Wunderbaum, der von bezaubernder Schönheit ist...
Dieser Baum wird im nächsten Jahr noch um Glocken aus dem Erzgebirge ergänzt, jawohl...

Herr Fuchs

kamelin hat gesagt…

Herr Fuchs,

sie waren zu lange im Zwergen-Forum aktiv, wenn sie einen Bonsai mit einer Nordmann Tanne verwechseln. Von bezaubernder Schönheit ist ja wohl eher der Hexler, der diese Abscheulichkeit zerlegt und zu grünen Puderzucker verarbeitet.
Und sind sie nicht schon ein bisschen zu alt, um von *hüstel* "Glocken aus dem Erzgebirge" zu träumen?

Nachdenklich,

die kamelin

Anonym hat gesagt…

Frau Kamelin,

jetzt läuten Sie hier mal nicht so laut die Glocken. Herr Fuchs, ein Bewunderer großer, aber auch kleinerer Glocken, ist schließlich weithin auch als der...Glöckner...bekannt.

Jawohl
Herr Fuchs